00:00:00: Hallo und herzlich willkommen zu aus versehen Autorin.
00:00:04: Schön, dass ihr wieder da seid!
00:00:06: Ich glaube kurz vor den Ferien gibt es Familien die alles im Griff haben.
00:00:11: Die letzten Termine stehen ordentlich im Kalender.
00:00:14: Die Kinder laufen entspannt Richtung Ferien und wahrscheinlich existiert irgendwo sogar schon eine Liste mit schönen Sommeraktivitäten.
00:00:21: Und dann gibt es uns.
00:00:23: Bei uns ist Kind Eins gerade im Krankenhaus, mein kleiner Bruder war zu Besuch.
00:00:27: die Ferien stehen vor der Tür Der sechs Personenhaushalt läuft selbstverständlich trotzdem weiter und meine Bücher sitzen vermutlich beleidigt in der Ecke und fragen sich ob ich überhaupt noch weiß dass sie existieren.
00:00:39: Ich könnte jetzt behaupten ich hätte einen Plan.
00:00:44: Spoiler Alarm habe ich nicht.
00:00:46: Ich funktioniere gerade eher nach dem Prinzip, was ist heute am wichtigsten und was kann warten ohne dass wirklich etwas Schlimmes passiert.
00:00:55: Und manchmal ist die Antwort darauf eben das Manuskript muss warten.
00:01:00: Kind eins ist momentan im Krankenhaus.
00:01:02: ich möchte darüber bewusst nicht viel erzählen weil ihre Geschichte ihre Geschichte bleibt und nicht automatisch öffentlich wird nur weil ich Ihre Mama bin.
00:01:10: Aber natürlich verändert so eine Situation den Familienalltag.
00:01:13: Man besucht sein Kind, freut sich darauf es zu sehen versucht zuzuhören und ein Stück Normalität mitzubringen.
00:01:21: Gleichzeitig fährt aber die Sorge mit.
00:01:24: Selbst wenn eigentlich alles ruhig ist arbeitet der Kopf weiter.
00:01:27: Das Kind sagt Alles ist okay Und im Mutterkopf eröffnet sofort eine komplette Ermittlungsabteilung.
00:01:34: Was bedeutet alles gut?
00:01:35: Ist wirklich alles gut?
00:01:37: Ist es nur für heute gut, wie Sie mich beruhigen oder möchte ich einfach unbedingt beruhigt
00:01:42: werden?".
00:01:44: Mütter sind da wirklich talentiert.
00:01:46: Wir können aus zwei Wörtern ungefähr vierzehn mögliche Szenarien bauen!
00:01:50: Wir dürfen sie zum Glück besuchen und auch mal mit rausnehmen – und ich merke gerade, wie wertvoll solche normalen Momente sind.
00:01:57: Gemeinsam laufen, etwas essen, lachen, vielleicht auch darüber diskutieren wer wohin möchte und warum plötzlich alle gleichzeitig Hunger haben… Für ein paar Stunden einfach Familie sein, nicht Patientin und Angehörige.
00:02:10: Nicht Sorgen und Termine – einfach wir!
00:02:14: Und mitten in Alldem war mein kleiner Bruder zu Besuch.
00:02:17: Das ist schön.
00:02:18: Ja also Familienbesuch bedeutet bei uns allerdings selten dass alle friedlich am Tisch sitzen Kaffee trinken und ausschließlich über das Wetter sprechen.
00:02:28: Bei uns wird tatsächlich geredet Über früher, über Dinge die passiert sind.
00:02:32: Über Erinnerungen, die jeder ein bisschen anders trägt und manchmal merkt man erst später wie viel so ein Gespräch ausgelöst hat.
00:02:41: Währenddessen funktioniert man noch Man hört zu, man redet, macht vielleicht sogar noch einen Witz Und wenn danach alles still wird sitzt plötzlich die Traurigkeit im Raum.
00:02:53: Das ist mir passiert Nicht so dass ich nicht sicher gewesen wäre Aber so, dass ich gemerkt habe manche Wunden sind noch nicht verschwunden.
00:03:01: Sie sind vielleicht besser versorgt?
00:03:04: Vielleicht im Alltag nicht ständig sichtbar aber sie sind trotzdem da und dann läuft das heutige Leben ja weiter!
00:03:11: Das Kind im Krankenhaus, Familienbesuch die letzten Tage vor den Ferien einkaufen Haushalt Termine kochen Nachrichten beantworten Und irgendwo mein Gehirn mit ungefähr thirty-seven geöffneten Tabs.
00:03:25: Ich möchte eigentlich nur kurz Kaffee trinken und denke dabei gleichzeitig daran, dass wir noch einkaufen müssen.
00:03:32: Dass jemand etwas braucht die Waschmaschine fertig gemacht werden muss und mein Manuskript Und in meinem Manus-Kript eine Figur vermutlich seit Tagen mitten in einer dramatischen Szene steht Die Arme.
00:03:45: Wahrscheinlich hat sie auch immer den Mund geöffnet und wartet darauf das ich dem Satz endlich beende.
00:03:51: Ich stelle mir meine Bücher inzwischen wirklich beleidigt vor.
00:03:56: Ich öffne den Laptop, das Dokument schaut mich an.
00:03:58: Ich schaue das Dokumente an und wir beide wissen dass heute nichts passieren wird.
00:04:02: dabei möchte ich schreiben es fehlt nicht unbedingt an Ideen Es fehlt An dem Platz im Kopf Und das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.
00:04:11: man kann seine Geschichte lieben Und trotzdem gerade einfach keine Kraft dafür haben.
00:04:17: Man kann kreativ sein und trotzdem keinen vernünftigen Satz schreiben, und man bleibt Autoren auch wenn ein Manuskript ein paar Tage lang nicht wächst – das muss ich mir selbst immer wieder sagen!
00:04:29: Trotzdem kommt dieses schlechte Gewissen.
00:04:31: Denn sobald man kreatif arbeitet glaubt man schnell ständig etwas produzieren zu müssen.
00:04:36: Ein Kapitel eine Podcastfolge, ein Video, einen Beitrag, irgendetwas muss doch sichtbar vorangehen.
00:04:43: Und wenn das nicht passiert, dann fühlt sich alles sofort nach Stehstand an.
00:04:47: Dabei passiert gerade wahnsinnig viel!
00:04:50: Es sieht nur nicht aus wie ein fertiges Kapitel... Ich meine ich begleite mein Kind.
00:04:55: Ich versuche für meine Familie dazu sein.
00:04:57: Ich führe Gespräche die nachwirken.
00:05:00: Ich trage ganz viele Sorgen.
00:05:02: Ich halte den Alltag irgendwie zusammen.
00:05:05: Das ist nicht nichts.
00:05:06: es lässt sich nur schlecht in Wortzahlen messen.
00:05:11: bewerten unsere Tage viel zu oft danach, was am Ende sichtbar ist.
00:05:15: Geschriebene Seiten erledigte Aufgaben eine saubere Küche beantwortete Nachrichten aber niemand schreibt auf seiner Liste heute jemanden aufgefangen.
00:05:26: Heute eine schwierige Situation ausgehalten!
00:05:29: Heute habe ich Nähe gegeben.
00:05:30: Heute hab' ich versucht nicht unterzugehen und dabei sind genau das manchmal die wichtigsten Dinge.
00:05:37: Und kurz vor den Ferien wird es natürlich auch nicht entspannter.
00:05:40: Es gibt noch Termine, Dinge müssen abgegeben werden und die Kinder erinnern einen zuverlässig am Abend vorher daran dass sie morgen etwas ganz Bestimmtes brauchen.
00:05:50: Mama ich brauche morgen noch... nein!
00:05:52: Du brauchst das nicht morgen du brauchst es jetzt weil ich es besorgen muss.
00:05:57: Das ist ein wichtiger Unterschied den Kindern erstaunlich konsequent nicht verstehen.
00:06:02: Gedanklich sind diese sowieso längst in den Ferieren.
00:06:06: Die Eltern hingegen versuchen nur noch irgendwie lebend über die Ziellinie zu kommen.
00:06:11: Und eigentlich wünsche ich mir gerade gar keine riesigen Ferienpläne, Ich wünsch mit tatsächlich ein bisschen weniger Druck Ein paar Tage an denen nicht alles gleichzeitig wichtig ist.
00:06:22: Einen Morgen an dem mich nicht schon beim Aufstehen das Gefühl habe der Tag wäre schneller als ich.
00:06:28: Natürlich weiß auch dass Ferien mit Kindern nicht automatische Erholung bedeuten.
00:06:32: Im Gegenteil Ferien bedeutet dass sich das Chaos anders organisiert.
00:06:38: Der Wecker klingelt vielleicht später, dafür steht irgendwann irgendjemand vor einem und sagt mir ist langweilig Und als Mutter weiß man Das ist keine Information!
00:06:48: Das ist eine Drohung.
00:06:50: Aber trotzdem, ganz ehrlich freue ich mich auf die Ferien.
00:06:53: Weil wir gerade alle ein bisschen Luft brauchen und vielleicht muss ich akzeptieren dass meine Bücher noch ein kleines bisschen beleidigt bleiben.
00:07:01: Sie laufen mir ja nicht davon Die Geschichten verschwinden nicht nur weil das Leben gerade lauter ist.
00:07:06: Vielleicht schreibe ich momentan keine Kapitel aber ich sammle Gefühler Gespräche und Momente die irgendwann wieder in meiner Geschichte fließen werden Nicht eins zu eins aber dieses Gefühl gleichzeitig stark sein zu wollen und einfach eine Mühde zu sein, dieses Loslassen, diese Sorgen.
00:07:25: Dieses Wissen das Zuhause manchmal nur bedeutet noch einen Platz frei zu machen.
00:07:30: All das gehört gerade zu meinem Leben und deshalb gehört es irgendwie auch zum Schreiben selbst wenn der Laptop gestoßen bleibt.
00:07:38: Vielleicht ist genau das der Gedanke dieser Folge.
00:07:41: nicht jede Pause ist Stillstand.
00:07:43: Manchmal ist eine Pause Fürsorge.
00:07:46: Manchmal ist sie einfach notwendig, weil der Kopf bereits mehr trägt als von außen sichtbar ist.
00:07:53: Und falls es euch gerade ähnlich geht und euer Projekt wartet während das Leben alles andere übernimmt dann seid bitte nichts zu streng mit euch!
00:08:02: Ihr seid nicht faul und ihr habt auch nicht versagt.
00:08:05: vielleicht ist einfach gerade etwas anderes viel wichtiger.
00:08:08: Das was ihr liebt darf trotzdem auf euch warten.
00:08:11: meine Bücher werden mir das schon verzeihen Ellie vermutlich schneller als Sirius, der wird mir wahrscheinlich noch drei Kapitel lang vorhalten.
00:08:20: Aber auch damit kann ich leben!
00:08:22: Danke dass ihr heute wieder zugehört habt.
00:08:24: Diese Folge war vielleicht ein bisschen chaotisch, ein bisschen ernst und natürlich auch ein bisschen beleidigtes Buch.
00:08:31: aber genau so sieht es halt bei mir gerade aus nicht perfekt, nicht geplant, aber echt.
00:08:37: Passt gut auf euch auf und wenn euer Leben gerade lauter ist als eure Pläne dann seid ein bisschen freundlicher zu euch.
00:08:43: Wir hören uns in der nächsten Folge von Ausversehen Autoren.