00:00:00: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Ausversehen Autoren.
00:00:05: Schön, dass ihr wieder da seid!
00:00:07: Heute geht es um etwas das sich theoretisch sehr gut kann... Pause machen also Reinkörperlich!
00:00:14: Ich kann mich aufs Sofa setzen, ich kann den Laptop zu klappen.
00:00:17: Ich kann den Kaffee neben mich stellen und sogar so tun als würde ich jetzt wirklich nichts mehr machen.
00:00:22: Das Problem ist nur mein Kopf hat die Pause nicht verstanden.
00:00:26: Der sitzt nämlich weiterhin da trägt Bahnweste hält eine Klemmenbrettliste in der Hand Und zählt mir auch was ich eigentlich alles noch erledigen müsste.
00:00:34: Dass man aus Grip dem Podcast die Wäsche die Küche Nachrichten beantworten einkaufen Irgendwas mit den Kindern ist sowieso immer.
00:00:42: Und bestimmt gibt es da irgendwo auch noch eine Pflanze, die dringend Wasser braucht und seit Tagen versucht Blickkontakt mit mir aufzunehmen?
00:00:50: Ich sitze also auf dem Sofa und mache offiziell Pause!
00:00:54: Inoffizielle führe ich im Kopf.
00:00:56: eine komplette Teamsitzung – und irgendjemand in dieser Sitzung ist immer unzufrieden.
00:01:01: Meistens bin ich das selbst.
00:01:07: kein produktiver Tag.
00:01:10: Einfach ein bisschen runter kommen und kaum sitzt man, fällt einem plötzlich alles ein was man seit einigen Wochen erfolgreich verdrängt hat.
00:01:19: Man schaut kurz zur Seite und denkt eigentlich müsste ich die Schublade mal wieder sortieren.
00:01:24: Welche Schubladen?
00:01:25: Völlig egal Hauptsache irgendeine Aufgabe.
00:01:27: Ich glaube wir haben verlernt nichts zu tun ohne uns dafür zurechtfertigen!
00:01:32: Man darf sich ausruhen aber bitte nur wenn vorher genug geleistet wurde.
00:01:36: Man darf müde sein, aber am besten nur nach einem sehr produktiven Tag!
00:01:41: Man darf eine Pause brauchen, aber vorher sollte man bitte schön beweisen dass man sie sich verdient hat.
00:01:47: und ganz ehrlich das ist doch völliger Quatsch.
00:01:50: Ich muss mir eine Pause nicht verdienen.
00:01:53: Ich brauche sie, weil ich ein Mensch bin!
00:01:55: Nicht erst dann wenn ich kurz vorm Umkippen bin... ...nicht erst dann, wenn der Kopf gar nichts mehr schafft und auch nicht erst dann ,wenn ich vorher mindestens drei Zimmer geputzt, zweitausend Wörter geschrieben habe und nebenbei noch gesundes Abendessen gekocht habe.
00:02:09: Wobei wir bei gesunden Abendessen sowieso schon aussteigen können.
00:02:13: Manchmal ist Essen einfach nur essen und manchmal isst eine Tischkühlpizza auch selbst für Sorge Und das darf jetzt hier so nehmen wie er möchte.
00:02:22: Ich habe gerade in den letzten Wochen gemerkt, wie schwierig es mir fällt wirklich stehen zu bleiben!
00:02:28: Es ist wirklich viel los bei uns.
00:02:30: Familie, Sorge, Besuche, Fähre und Kinder schreiben Podcasts... Und selbst wenn ich nichts aktiv mache, läuft im Kopf alles weiter.
00:02:39: Ich plane...ich denke voraus!
00:02:40: Ich gehe Gespräche schon mal durch.
00:02:42: Ich überlege was ich vergessen habe und wenn ich ausnahmsweise nichts vergessen habe finde ich garantiert etwas das sich vorsorglich schonmal bedenken kann.
00:02:51: Sehr praktisch oder?
00:02:54: Das Schlimme, dass der Kopf sich dann irgendwann so voll anfühlt das selbst kleine Dinge anstrengend werden.
00:03:02: Man möchte seine eine Nachricht beantworten und start fünf Minuten auf dem Bildschirm.
00:03:07: man möchte einen Satz schreiben und weiß plötzlich nicht mehr wie Sprache funktioniert.
00:03:11: Man steht in einer Küche und kann sich nicht erinnern warum man überhaupt reingegangen ist.
00:03:16: Dann steht man da mitten im Raum schaut sich um und hofft, dass der ursprüngliche Gedanke vielleicht von alleine zurückkommt.
00:03:23: Leute tut er selten!
00:03:26: Dafür sieht man dann den Geschirrspüler und denkt ach ja, den könnte ich auch noch ausräumen.
00:03:32: Und plötzlich hat man eine neue Aufgabe aber immer noch keine Ahnung warum man eigentlich in die Küche gegangen ist.
00:03:39: Vielleicht wollte ich was trinken?
00:03:40: Vielleicht etwas essen?
00:03:41: Vielleicht einfach nur kurz vor allen Flüchten?
00:03:44: Alle Möglichkeiten sind realistisch.
00:03:47: das ist übrigens auch so ein Punkt.
00:03:49: Pause bedeutet mit Familie nicht automatisch Ruhe.
00:03:53: Manchmal bedeutet Pause nur, dass man sich in einen anderen Raum setzt und dann dauert es ungefähr drei Minuten bis jemand fragt Mama Es gibt in Familien offenbar eine unsichtbare Ordnungsfunktion.
00:04:09: Ich kann in der Küche stehen da braucht mich niemand.
00:04:13: kaum schließe ich die Badezimmertür beginnt eine nationale Suchaktion.
00:04:18: Mama, wo bist du?
00:04:20: Im Ausland mein Schatz!
00:04:22: Ich bin ausgewandert vor ungefähr zwölf Sekunden.
00:04:26: Trotzdem ist der Versuch sich kurz zurückzuziehen nicht egoistisch.
00:04:30: das muss ich mir selbst oft sagen.
00:04:32: Ruhe zu brauchen bedeutet nicht dass ich meine Familie weniger liebe.
00:04:36: es bedeutet auch nicht dass kann gerne mit allem zusammen sein und trotzdem irgendwann das Gefühl haben, dass jedes weitere Geräusch direkt durch mein Nervensystem marschiert.
00:04:47: Beides darf gleichzeitig stimmen!
00:04:49: Ich liebe euch.
00:04:51: und jetzt bitte fünf Minuten... Niemand mehr sprechen.
00:04:54: Das ist kein Widerspruch, das ist Elternschaft!
00:04:57: Ich merke dieses schlechte Gewissen aber nicht nur beim Familienleben ich kenne es auch beim Schreiben.
00:05:03: Wenn ich einen Tag nicht schreibe denke ich sofort, ich müsse wenigstens etwas anderes Produktives machen.
00:05:09: Dann über arbeite ich vielleicht ein Kapitel oder planer ein Podcast oder suche nach Musik Oder mache Minotizen.
00:05:17: Hauptsache, der Tag hat am Ende irgendein kreativen Beweis.
00:05:21: Irgendwas das zeigt ich habe nicht einfach nur existiert.
00:05:25: aber warum ist das eigentlich so?
00:05:27: Warum muss jeder tag etwas vorweisen?
00:05:30: es gibt tage die tragen nichts neues nach außen.
00:05:33: sie halten uns einfach nur zusammen und dass ist manchmal genug.
00:05:37: vielleicht war heute nicht weil ich heute nicht kreativ aber hey ich war für meine kinder da.
00:05:42: Vielleicht habe ich keine Seite geschrieben, aber ich habe ein sehr schwieriges Gespräch geführt.
00:05:48: Und vielleicht habe ich nichts veröffentlicht?
00:05:50: Aber ich habe gemerkt dass ich müde bin und bevor mein Körper mich komplett dazu zwingen musste... Das sind keine leeren Tage!
00:05:58: Sie sehen nur anders aus.
00:06:00: Ich glaube das ist der Punkt an dem wir uns oft selbst unfair behandeln.
00:06:05: Wir sehen nur was wir nicht geschafft haben Nicht das was wir alles getragen haben.
00:06:10: Ich sehe das auch eine Dokument aber nicht die Gedanken, die den ganzen Tag schon gelaufen sind.
00:06:16: Ich sehe nicht die zusammengelegte Wäsche ... Aber ich seh' die nicht-zusamme-gelegten Wäscher mein Gott!
00:06:25: Aber nicht wie ob dich heute schon für jemand anderen da war... Ich sehe dem Podcast der noch nicht aufgenommen ist, aber nicht dass mein Kopf vielleicht einfach gerade keine Stimme übrig hat.
00:06:37: und dann kommt dieses unangenehme Wort.
00:06:40: Disziplin Natürlich braucht man sie, gerade beim Schreiben.
00:06:45: Nicht jeder Tag ist inspirierend nicht jedes Kapitel schreibt sich leicht.
00:06:49: manchmal muss man sich hinsetzen obwohl man lieber etwas anderes machen würde.
00:06:54: aber ich glaube wie verwechseln Disziplin zu oft mit Härte.
00:06:58: Disziplin bedeutet nicht, dass ich meine Grenzen immer ignorieren muss.
00:07:02: Es bedeutet nicht das sich mich so lange zwinge bis aus Kreativität nur noch frust wird.
00:07:08: Manchmal ist die disziplinierte Entscheidung sogar aufzuhören den Laptop zu schlüssen.
00:07:15: Schließen!
00:07:15: Zu sagen heute wird es nichts mehr und dann auch wirklich Schluss zu machen.
00:07:20: Nicht das Dokument schliessen und anschließend drei Stunden darüber nachdenken ,dass man es geschlossen hat das wäre mein persönliches Spezialgebiet.
00:07:31: Ich mache Pause und ärgere mich währenddessen, dass ich eine Pause mache.
00:07:35: Das ist ungefähr so awohlsam wie im Urlaub ständig Mates zu verantworten also gar nicht!
00:07:40: Eine echte Pause beginnt wahrscheinlich erst dann wenn man innerlich nicht mehr verhandelt wenn man nicht sagt, ich ruhe mich jetzt zwanzig Minuten aus.
00:07:48: Aber nur damit ich danach mehr leisten kann sondern ich ruere mich aus weil ich gerade Ruhe brauche ohne Gegenleistungen, ohne Ziel, ohne dass danach ein besonders produktiver Mensch aus mir heraus hervorgehen muss.
00:08:03: Vielleicht bin ich danach immer noch müde vielleicht habe ich dann nach immer noch keine Ideen aber die Pause war trotzdem richtig.
00:08:13: Ich glaube, das müssen wir viel öfter hören.
00:08:15: Nicht jede Pause löst sofort etwas auf!
00:08:18: Manchmal ist sie einfach nur ein kleiner Moment an dem nichts schlimmer wird – auch das ist wertvoll gerade im Zeiten in dem das Leben ohnehin schon sehr laut ist.
00:08:28: Ich habe auch gemerkt dass mein schlechtes Gewissen oft mit Vergleichen zusammenhängt.
00:08:34: Man sieht andere Menschen, die gerade so viel schaffen.
00:08:37: Sie schreiben sich veröffentlichen, sie machen Urlaub und sehen dabei erholt aus!
00:08:41: Sie haben Kinderhaushalt berufend offenbar trotzdem immer eine saubere Küchenoberfläche.
00:08:46: Ich weiß nicht wie das funktioniert.
00:08:48: Vielleicht werden diese Menschen nachts heimlich durch organisierte Version von sich selbst ersetzt.
00:08:54: Anders kann ich mir das nicht erklären, aber ich sehe eben nur einen Ausschnitt!
00:08:58: Ich sehe das fertige Bild – nicht die Hilfe dahinter, nicht die Müdigkeit, nicht den Dingen, die vielleicht liegen bleiben und ich sehe vor allem nicht ob diese Person gerade wirklich entspannt ist oder nur ein sehr schönes Foto gemacht hat.
00:09:11: Trotzdem vergleicht mein Kopf mein komplettes Chaos mit dem hübschsten Moment eines anderen Menschen.
00:09:18: Natürlich verliere ich diesen Vergleich.
00:09:20: Das ist ungefähr so, als würde ich meinen Montagmorgen mit einem Werbespot vergleichen.
00:09:25: Im Werbesbott sitzen alle mit weißen Klamotten beim Frühstück Die Kinder lachen, niemand kippt etwas um und die Mutter sieht aus, als hätte sie durchgeschlafen.
00:09:34: Völlig unrealistisch.
00:09:36: Bei uns hat spätestens nach drei Minuten jemand Marmelade am Ärmel Und keiner weiß warum.
00:09:41: Das is echtes Leben!
00:09:43: Und echtes leben braucht echte Pausen nicht nur, weil alles erledigt ist.
00:09:47: Denn das... denn alles ist nie erledig!
00:09:50: Das ist vielleicht die größte Enttäuschung des Erwachsenenseins.
00:09:54: Man denkt als Kinder-Erwachsener haben irgendwann alles im Griff.
00:09:59: Dann wird man selbst erwachsen und merkt, nein wir haben nur gelernt gleichzeitig ratlos um zuständig zu auszusehen.
00:10:07: Der Haushalt ist nie komplett fertig.
00:10:09: Die Wäsche kommt wieder, der Kühlschrank wird wieder leer, neue Nachrichten kommen, neue Termine kommen und selbst wenn ein Buch fertig ist liegt irgendwo bereits das nächste Projekt und schaut auffällig in meine Richtung.
00:10:21: Wenn ich also auf den Moment warte indem wirklich nichts mehr zu tun ist werde ich nie Pause machen.
00:10:28: Dann muss sich sie mitten hineinsetzen zwischen zwei Aufgaben In einen unfertigen Tag Obwohl noch so viel offen ist.
00:10:39: Das fühlt sich falsch an, aber vielleicht ist genau das die Übung nicht erst stoppen wenn nichts mehr übrig ist sondern stoppen bevor von mir nichts mehr übrig ist!
00:10:48: Das klingt jetzt ein bisschen dramatisch aber ihr wisst was ich meine.
00:10:53: Wir können nicht ständig geben, planen, auffangen und funktionieren ohne irgendwann leer zu werden.
00:10:58: Und nein!
00:10:59: Eine Tasse Kaffee zählt nicht als vollständige Regeneration.
00:11:02: Ich wünschte tatsächlich es wäre so.
00:11:05: Dann wär ich vermutlich der ausgeglichenste Mensch Deutschlands.
00:11:09: Bin ich offensichtlich
00:11:09: nicht.".
00:11:10: Vielleicht brauchen wir manchmal etwas ganz unspektakuläres.
00:11:13: Eine Stunde ohne Aufgabe, ein Spaziergang ohne Schrittziel Musik ohne dabei irgendwas zu erledigen eine Serie die kein pädagogischen Mehrwert haben muss oder einfach auf dem Sofa liegen und akzeptieren das heute nichts großes mehr passiert.
00:11:28: Die Welt dreht sich ja trotzdem weiter.
00:11:30: meine Figuren überleben einen weiteren Abend ohne mich.
00:11:34: der podcast Der Podcast kann warten, die Wäsche ebenfalls.
00:11:39: Die ist darin sehr zuverlässig und vielleicht ist das die eigentliche Botschaft dieser Folge?
00:11:45: Pausen sind kein Zeichen dafür dass wir zu wenig wollen.
00:11:49: sie sind auch keinen Beweis dafür dass Wir faule sind.
00:11:52: manchmal sind Sie der Grund warum wie später überhaupt wieder etwas wollen können Warum Ideen zurückkommen Geduld zurückkommt.
00:12:02: Warum man am nächsten Tag nicht schon beim ersten Mama innerlich das Land verlassen möchte?
00:12:08: Pausen sind nicht das Gegenteil von Kreativität, sie gehören dazu.
00:12:13: auch wenn in ihnen nichts sichtbar ist entsteht.
00:12:16: Vielleicht sortiert der Kopf im Hintergrund vielleicht atmet der Körper einfach nur durch und vielleicht passiert wirklich gar nix.
00:12:24: Auch gut!
00:12:25: Nicht alles muss verwertet werden.
00:12:28: Nicht aus jedem Gefühl muss ein Text werden, nicht aus jedem Tag einen Beitrag.
00:12:32: Nicht aus jeder Pause.
00:12:34: ein besonderer kluger Gedanke.
00:12:37: Wobei ich natürlich gerade aus meiner Pause eine komplette Podcast-Folge gemacht habe.
00:12:42: Ganz loslassen kann ich offenbar doch nicht!
00:12:45: Aber wir arbeiten dran.
00:12:48: Falls ihr heute auch irgendwo sitzt und eigentlich Pause machen wolltet während euer Kopf euch eine Liste vorliest dann versucht es mal mit einem Satz Ich darf jetzt aufhören.
00:13:00: Nicht für immer, nicht weil es mir egal ist, sondern weil es für heute genug ist.
00:13:05: Vielleicht glaubt ihr euch den Satz beim ersten Mal noch nicht?
00:13:09: Ich mir wahrscheinlich auch nicht!
00:13:11: Dann sagen wir ihn einfach öfter... Auch wenn Vernunft bei mir manchmal etwas länger braucht, bis sie sich durchsetzt.
00:13:32: Danke dass ihr heute wieder zugehört habt!
00:13:35: Mich würde interessieren ob ihr wirklich Pause machen könnt oder ob euer schlechtes Gewissen auch jedes mal ungefragt mit auf Super kommt.
00:13:44: Schreibt mir das gerne und jetzt mache ich vielleicht tatsächlich mal nichts.
00:13:48: also nachdem ich diese Folge fertig aufgenommen gespeichert und hochgeladen habe Man soll ja nicht direkt übertreiben.
00:13:55: Also, pass gut auf euch auf und denkt daran ihr müsst nicht erst alles schaffen bevor ihr euch ausruhen dürft.
00:14:02: bis zur nächsten Folge von Ausversehen Autorin!
00:14:08: Bis dann.